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Tragischer Unfall am Strand

Eigentlich wollte ich in Ruhe von meinem Haus hier erzählen und was die Woche so los war, aber das ist jetzt eher nebensächlich und ich mach es später. Bin nämlich grad mit gemischten Gefühlen von meinem Wochenendtrip am Strand wiedergekommen.

An diesem Wochenende ist eine französische Austauschstudentin, die ich auch flüchtig und ihre Freundin ganz git kannte, in der Bucht, wo wir waren, im Meer ertrunken. Meiner Ansicht nach war die Bucht viel zu gefährlich, um da mit so einer Gruppe von jungen Austauschstudenten hinzufahren. Ein paar Australier, mit denen ich gesprochen habe und die mehr Surferfahrung haben, meinten das auch. Aber der Reihe nach: Wir kamen Freitag am späten Nachmittag mit drei Bussen voll mit Internationals in der verlassenen Bucht ca. 500km von Guadalajara entfernt an, einige Kilometer bis zum nächsten Ort, sehr einfache Toiletten und Duschen, kein Handynetz, Strom nur über Generator. Im Bus gabs den einen oder andern Tequila. Und dann machten sich die meisten direkt auf ins Wasser. Eigentlich ganz nette, wenn auch nicht atemberaubende, verlassene Bucht (ja ich verwöhntes Kind, hab schon schönere gesehen), Sonnenschein und Wellen. Die Leute von der Studentenorganisation conexionGDL hatten uns vorher im Bus einen Hatftungsausschluss unterschreiben lassen, mit dem Hinweis, dass man nicht nachts oder betrunken ins Meer gehen soll oder sonst wie unvorsichtig sein soll. Also alle direkt angeheitert ins Wasse. Ich bin selbst bei einer „harmlosen“ Welle mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen, weswegen ich dann auch aus dem Wasser gegangen bin.  Da war der Wellengang auch noch ok, gegen Abend waren die Wellen ca. 3-4 m hoch und schon im seichten Wasser hat dir der Rückstrom die Beine weggezogen. Vermutlich kam die Französin schon nach dem ersten Schwimmen nicht mehr aus Wasser zurück. Da so viele gleichzeitig im Wassser waren, hat man schnell die Überblick verloren. 1-2 Stunden später haben sich dann Freundinnen Sorgen gemacht und angefangen zu suchen, da schien noch alles harmlos,sie hätte schließlich auch bei ein paar anderen Leuten nebenan sein können. Abends aber wurde die Lage angespannter. Es sollte die Liste durchgegangen werden, ob alle da waren, die Zelte durchsucht usw. Da merkte man dann die mexikanische Organisation. Die Jungs wussten überhaupt nicht, was sie tun sollten. Am Abend wurde dann aber wenigstens die Polizei benachrichtigt und am nächsten Tag Konsulat, Uni und die Marine. Die sind dann auch schwerbewaffnet Samstag gekommen und hab wohl die Gegend durchsucht. Wir saßen da den ganzen Samstag und wusste nicht, was los war, mit mulmigem Gefühl im Bauch. Nach Feiern war uns nicht wirklich zu Mute. Am späten Samstag Nachmittag wurde uns dann mitgeteilt, dass der Körper des Mädchens gefunden wurde, von lebendig war nicht die Rede (Mexikaner bringen Sachen nicht gerne auf den Punkt). Die meisten wollten direkt nach Hause, aber die Organisatoren wollten nicht über Nacht fahren wegen der Dunkelheit, der kurvigen Straßen und der generellen Gefahr bei Nacht in Mexiko. auch wenn es keine Musik gab, haben einige weiter getrunken, das fand ich schon seltsam und unpassend. Wir sind dann also heute morgen zurück gefahren. Insgesamt ein tragischer Unfall, das Mädchen ist wohl ertrunken, auch wenn man uns keine genauen Informationen gegeben hat. Das Wochenende war natürlich alles andere als erholsam (auch weil ich tierische Rückenschwmerzen hatte von nüchternem Schlafen auf Sand und wenn dich dann noch ein fetter Krebs, der an deinem Ohr herumkrabbelt Mitten in der Nacht während des regens aufweckt...) Mal sehen, ob die Uni eine Gedenkfeier oder so organisiert, es wurde jedenfalls Geld eingesammelt für Blumenschmuck für die Beerdigung in Frankreich und man kann Briefe schreiben.

In zwei Wochen fahr ich wieder zum Strand, aber zu einer deutlich ruhigeren Bucht, wie mir versprochen wurde.

Mir ist zum Glück nichts passiert, im Gegensatz zu vielen anderen hab ich mich auch nicht verbrannt oder so. Die schlechten Nachrichten haben sich hier in GDL schnell verbeitet, mal sehen, wie es morgen in der Uni ist.

Fotos lad ich die Tage bei GMX hoch, hier hab ich nicht genug Speicher und auch keinen Bock mehr jetzt.

 Nos vemos

23.8.10 06:46, kommentieren

Erster Schultag

Ja, erster Schultag. So fühlt man sich. Fehlt nur die Schultüte, denn die meisten wurden sowieso schon von Mama gebracht.
Meine 'Mitstudenten' sind super jung (wie 18 sehen sie nicht aus, sollen es aber sein) die Klassen klein, bis 30 Leute, und viiiiel zu tun. Dauernd quizzes, um den Stoff zu wiederholen, alle vier Wochen ein Examen, zwei Wochen darf man fehlen. Uiuiui das kann was werden. Und wer meint in unserer Bib gibt es wenig von den Büchern, die wir brauchen, dann kommt hier hin. Nicht mal zum Kopieren sind genug da. Wie soll man da bis Donnerstag das erste Kapitel lesen? Oder lieber 150 US Dollar dafür ausgeben? Loco! Darauf eine Tequila. In der gleichnamigen Stadt war ich übrigens Donnerstag. Ist ganz nett, aber ein bisschen turista. Billigen Tequila gibt's aber auf alle Fälle.

1 Kommentar 10.8.10 03:48, kommentieren

La primera semana

Nur eine Woche? Ich fühl mich schon so, als wäre ich viel länger hier in Guadalajara. Letzte Woche Samstag spät in der Nacht bin ich nach etwa 24 Stunden Reise hier angekommen. Das Sitzen im Flugzeug war dabei noch am angenehmsten (auch wenn die Lufthansa in ihrem Uralt-Jumbo wider Erwarten kein Entertainmentsystem an jedem Platz hat, sondern nur drei Filme auf dem Bildschirm im Gang zeigt. Hab mich gefühlt wie im ReisebusL ). Schlimmer war die Warterei vor dem Boarding oder vor der Inmigración in México D.F. Da steht man doch geschlagene 1,5 Stunden mit 500 Leuten in brütender Hitze und droht seinen Anschlussflug zu verpassen. Als ich endlich meinen dummen Stempel bekam, waren schon zwei Kinder umgekippt. Ans Warten muss ich mich wohl gewöhnen…Dass die Bürokratie hier mindestens genau so groß geschrieben wird wie in Deutschland, sieht man übrigens daran, dass ich innerhalb von 30 Tagen mein Visum noch registrieren muss – für ein kleines Entgeld. Hab schon gehört, dass der Gang zu der Behörde auch ein Spaß wird.

Diese Woche war die Einführungswoche für alle 224 internationalen Studierenden, die meisten aus Frankreich und Deutschland – welche Freunde. Die Uni hat insgesamt ca. 7000 Studenten und ist ziemlich modern. Sie liegt deutlich außerhalb der Stadt und im Moment fahr ich vom Hostel aus noch 50 Minuten mit dem Ruckelbus, der mit 6 Pesos (ca. 40 Cent) allerdings sehr günstig ist. In der Uni fühlt man sich wie im All-inclusive Resort: Drei vierstöckige Gebäude für Klassenräume, viele Bäume und Wiesen, Fußball und Basketballplatz und natürlich ein Pool, der alle zugänglich ist, solange gerade keine Mannschaft trainiert. Alles wird einem anscheinend hinterher getragen, Selbstständigkeit Fehlanzeige. Auch sehr unmexikanisch sind die vielen Regeln, mit denen die Uni anscheinend der Verwahrlosung des mexikanischen Volkes entgegenwirken will. Pünktlichkeit wird hier riesengroß geschrieben – im Gegensatz zum normalen Leben.  Den Stundenplan hab ich letzte Woche zusammengestellt, was wiederum aufgrund langer Wartezeiten und einem großen Durcheinander sehr mexikanisch verlief. Zu meinen Kursen und so gibt’s dann nächste Woche mehr.

Im Moment bin ich noch im Hostel in der Stadt. Das ist ganz ok, lediglich die nur durch Sichtblenden abgetrennten sanitären Einrichtungen sind doch etwas gewöhnungsbedürftig. Heute übernachte ich bei einem mexikanischen Kollegen. Morgen kann ich dann hoffentlich in das Haus einziehen mit anderen Austauschstudenten. Die Suche war echt nervig, hab mir ungefähr 12 Zimmer angeguckt, davon die meisten eher schlecht als recht. Das Haus, in der wir jetzt die neue WG gründen, ist super gelegen zwischen Uni und Stadtmitte. Außerdem haben wir viele Bars und Discos sehr in der Nähe. Mit dem Einziehen mussten wir noch waten, weil das Haus noch neu gestrichen und eingerichtet werden musste. Dazu dann morgen mehr, wenn hoffentlich alles geklappt hat.

Morgen früh geht die Uni los, wie zu Hause um 8.30 Uhr. Zwischen meinen Kursen dann einen kleinen lateinamerikanischen Tanzkurs und dann weiter Kurse bis in den Nachmittag. Bin mal gespannt. Übrigens: Ich wusste nicht, dass es noch schlechtere als die deutschen Mensen gibt. Aber es ist so. Vermutlich essen die Mexikaner tagsüber nur nen Snack und Mamá kocht dann schön abends zu Hause.

Hasta luego

 (Bilder kommen bald)

 

1 Kommentar 8.8.10 20:04, kommentieren